Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft Bremerhaven e. V.

Maritime Wahrzeichen


Wiederaufbau des Semaphors vom Leuchtturm Hohe Weg

Zur Sail 2005 in Bremerhaven wurde in der Innenstadt, direkt an der Weser, auf der Nordmole der Einfahrt zum Neuen Hafen der Semaphor vom Leuchtturm Hohe Weg wieder aufgebaut und im Rahmen der Gesamtveranstaltung in Betrieb genommen. Der fast 20 m hohe Mast zeigt die Windstärke und die Windrichtung von Borkum und Helgoland an. Die entsprechenden meteorologischen Daten werden vom Deutschen Wetterdienst alle zwei Stunden online gesendet und auf dem Zeichenträger optisch weit sichtbar angezeigt.

Semaphor

Die Initiative zum Wiederaufbau ging von der Schiffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft Bremerhaven aus, wobei die Idee sofort von der Seestadt Bremerhaven positiv aufgenommen wurde und der ausgewählte Standort nahe der neuen Schleuse zum Neuen Hafen sowie dem denkmalgeschützten Leuchtturm Bremerhaven-Oberfeuer als optimal angesehen wurde.

Jeweils für Borkum (B) und Helgoland (H) getrennt geben 4,5 m lange Zeiger einer Windrose die Windrichtung an ...

Zeiger Semaphor

... und sechs Zeiger von je 1,5 m Länge weisen auf die Windstärke hin. Ein Zeiger in waagerechter Stellung bedeuten dabei zwei Windstärken.

Windrose

Als 1972 nach der Automatisierung des Leuchtturmes die Besatzung abgezogen wurde, musste der Semaphor still gesetzt und nach starken Abrostungen 1976 aus Sicherheitsgründen auch demontiert werden. Glücklicherweise zeigte das Deutsche Schifffahrtsmuseum Interesse an markanten Bauteilen und lagerte sie ein, so dass jetzt die Buchstaben "B" und "H" sowie die beiden Windrosen wieder verwendet werden konnten. Der Semaphor wurde in Originalgröße aus Stahlprofilen errichtet. Damit auch immer die aktuellen Wetterdaten angezeigt werden, erhielten alle Zeiger einen Getriebemotor als Antrieb, die von einem Schaltschrank auf dem Zwischenpodest aus angesteuert werden. Auf diesem Zwischenpodest befanden sich früher die Handkurbeln für die Zeiger.

Besonderer Wert wurde bei der Planung auf eine unterhaltungsarme Konstruktion gelegt. Auch gelang es mit Hilfe von Oberbürgermeister Jörg Schulz den Deutschen Wetterdienst dankenswerterweise dazu zu bewegen, die erforderlichen meteorologischen Daten kostenfrei zu liefern.

Die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft freut sich, dass es gelungen ist, dieses markante Stück aus der Anfangszeit des Seezeichenwesens wieder aufzustellen.

Hinrich Gravert
SGG Bremerhaven


Restaurierung des Wasserstandsanzeigers von 1903

Der seit 1976 denkmalgeschützte Wasserstandsanzeiger am Weserdeich von Bremerhaven, nahe dem Deutschen Schifffahrtsmuseum, wurde in den Jahren 2013/14 unter der Regie unserer Gesellschaft vollständig instand gesetzt und am 27. Juni 2014 wieder dem Eigentümer, dem Deutschen Schiffahrtsmuseum, übergeben.

Dieses historische Zeichen aus dem Jahre 1903 war bis 1973 in Betrieb. Es zeigte der Schifffahrt mit an der Rah aufgehängten Bällen (1 Ball = 1m Wasserhöhe) und Kegeln (1 Kegel = 20 cm Wasserhöhe) den aktuellen Wasserstand über Seekarten-Null (SKN) der Weser vor Bremerhaven an. Auf der linken Seite der Rah waren in zwei Reihen Lampen aufgehängt, die nachts entsprechende Signale zeigten. Am roten Zeiger oberhalb der Rah konnte die Tide abgelesen werden. Zeiger nach oben gerichtet = auflaufendes Wasser, nach unten = ablaufendes Wasser, waagerecht = Stauwasser bei Flut oder Ebbe.

Wasserstandsanzeiger

Nach 1973 wurde dieser Anzeiger nur noch als Signalgeber bei Sperrungen des Weserfahrwassers nach Bremen genutzt, wenn z.B. große Werftschiffe überführt wurden. Auch diese Nutzung endete 1990, und der Eigentümer, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven (WSA), beabsichtigte, den stählernen Gittermast aufzugeben.

Gemeinsam mit der Seestadt Bremerhaven gelang es jedoch, den Mast noch einmal durch das WSA konservieren zu lassen, um ihn dann in das Eigentum des Deutschen Schiffahrtsmuseums zu übergeben. Auf Initiative von unseren Mitgliedern Thode, Schneider und Gravert konnte im Jahre 2002 der Betrieb der Bälle und Kegel in automatisierter Form wieder aufgenommen werden. Hier waren Spezialisten der Hochschule Bremerhaven für die technische Umsetzung verantwortlich.

Die 1996 erfolgte Konservierung war damals vor Ort vorgenommen worden, jedoch ohne Abstrahlung der Altanstriche. So wurde jetzt eine erneute Restaurierung notwendig, wenn eine Verschrottung verhindert werden sollte. Die geplante Erhöhung der Deichlinie vor der Stadtmitte bot die Gelegenheit, den 32 m hohen Mast grundlegend zu sanieren. Da der Anzeiger durch die Rückverlegung der Deichlinie künftig im Einflussbereich des Hochwassers liegt, waren auch die automatische Steuerung und die im Mastfuß untergebrachten Seilantriebe der Anzeigenelemente zu ändern.

Die Stahlkonstruktion zeigte so erhebliche Abrostungen, dass eine Reparatur nur nach Demontage des Mastes und Auswechseln einer Vielzahl von Einzelstreben des Gitterwerkes in der Werkstatt möglich war. Die anschließende komplette Abstrahlung der Altanstriche und die neue Konservierung konnte dann mit hoher Qualität unter Dach erfolgen.

Gleichzeitig musste von dem Ingenieurbüro Menslage die automatische Anzeige der Bälle/Kegel am Mast, jetzt per Funksignal, neu konzipiert werden. Leider wurde vor Ort die verfügbare Funkfrequenz durch andere Nutzer derart häufig gestört, dass dieser Plan aus Kostengründen vereitelt wurde. Aber durch Wahl einer niedrigeren Frequenz konnte sichergestellt werden, dass auf der Schautafel am ehemaligen Wärterhaus (heute Strandcafé) wieder der aktuelle Wasserstand per Leuchtdioden angezeigt wird. Die Befehle hierzu kommen von einer Zentrale, die im nahe gelegenen Schifffahrtsmuseum aufgestellt ist. Die Information über den jeweiligen Wasserstand erhält der Rechner in der Zentrale ebenfalls per Funk vom Pegel des WSA von der Einfahrt zum Neuen Hafen.

Die Bälle und Kegel waren bisher aus wenig dauerhaften Weidenruten geflochten. Die Suche nach haltbarem Material von gleichem Aussehen war aufwendig. Schließlich wurde in Sumatra ein Hersteller gefunden, dessen durchgefärbte Rundschnüre lange Lebensdauer in salziger Atmosphäre versprechen.

Durch die Verlegung des Deiches musste zusätzlich am landseitigen Deichfuß auch ein neues Fundament für eines der 4 Seilfundamente hergestellt werden. Hierfür und für den Gittermast selbst war eine Statik neu aufzustellen und dem Bauordnungsamt vorzulegen. Bestandsunterlagen waren hierzu nicht vorhanden.

Diese umfangreichen Arbeiten, mit Kosten von über 200.000,-- Euro, konnten nur dank der vielen Spenden, die unsere Gesellschaft einsammeln konnte, ausgeführt werden. Eine Tafel der Spender ist am Fuß des Gittermastes angebracht. Den Spendern sei auch hier herzlich gedankt.

Hinrich Gravert
SGG Bremerhaven


Pegelkaus an der Kajenkante der ehemaligen Einfahrt zum Alten Hafen

Unbeachtet stand seit vielen Jahren das Pegelhaus an der Kajenkante an der ehemaligen Einfahrt zum Alten Hafen von Bremerhaven.

Nun wurde von unserer Gesellschaft das stählerne Gehäuse repariert und konserviert. Es soll nun ein Antrag zur Aufnahme dieses Reliktes aus der Segelschiffszeit in die Bremerhavener Denkmalliste gestellt werden.

Pegelhaus nach der Restaurierung

Im Jahre 1903 wurde am Weserdeich nördlich der Geestemündung ein 20 m hoher Wasserstandsanzeiger errichtet, der den Seefahrern den Wasserstand über Niedrigwasser anzeigte. Hierzu standen dem Wachmann jeweils vier Bälle (1 Ball = 1 m) und vier Kegel (1 Kegel = 0,2 m) zur Verfügung, die er damals von Hand per Winde zu bedienen hatte. Nachts hatte er es einfacher, da dann nur Schalter für die entsprechenden Lampen zu betätigen waren. Die Information über den Wasserstand erhielt er auf elektrischem Wege von diesem Pegelhaus.

Als 2014 der Wasserstandsanzeiger im Zuge der Deicherhöhung einer Gereralüberholung unterzogen wurde, bat man die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft, auch das zugehörige Pegelhaus zu restaurieren. Obwohl dieser Pegel bereits seit 1929 keine Funktion mehr hat, ist er erstaunlicherweise äußerlich unbeschadet erhalten geblieben. Nach Schließung der alten Schleuse von 1830 verschlickte der Vorhafen so stark, dass der Schwimmerschacht unter dem Haus keinen freien Zufluss mehr von der Weser hatte. Ein neuer Pegel an der 1925 eröffneten Doppelschleuse zum Fischereihafen übernahm die Funktion für den Wasserstandsanzeiger.

In den 85 Jahren nach Stilllegung kümmerte sich niemand mehr um den zuletzt stark verrosteten Kasten an der Kajenkante gegenüber dem Paul-Ernst-Wilke-Haus. Auch beim Liegenschaftsamt war keine Eintragung in der Katasterkarte vorhanden.

Die Überraschung war groß, als bei der Demontage des genieteten Stahlkastens eine grundsätzlich funktionsfähige Installation sichtbar wurde. Der Schwimmer war zwar verrostet, aber der Schacht und alle Teile für die elektrische Übertragung der Signale waren unbeschädigt.

Schwimmerschachtelektrischer Signalgeber

Bei einer Umdrehung der Kabeltrommel gab ein Pendel dreimal einen elektrischen Impuls für je 20 cm Wasserstandsänderung ab.

Trommel von hinten mit Schwimmerseil

Nach stahlbaumäßigen Kleinreparaturen, Entrostung und aufwendiger Konservierung innen und außen wurde das Pegelhaus unter Nutzung der alten Stiftschrauben von 1903 wieder auf den vorhandenen Fundamentrahmen aufgesetzt und alle alten Bauteile eingebaut. Über dem Pegelhaus wurde der Leinenabweiser montiert. Beim Treideln der Segelschiffe in die Schleuse waren die Leinen der Schiffe über das Pegelhaus zu führen.

Leinenabweiser

Die Inspektionsklappe lässt sich wieder öffnen, allerdings nur mit einem Spezialschlüssel. Wenn 2005 nicht vor die alte Kaje eine neue Spundwand geschlagen und der Schwimmerschacht nicht zugeschlickt wäre, könnte die alte Technik wieder gangbar gemacht werden.

Die knapp 5000 Euro teure Restaurierung war nur dank einer Reihe von Sponsoren möglich:

Die Spender und viele Bremerhavener freuen sich, dass nach dem Wasserstandsanzeiger nun auch das dazu gehörige Pegelhaus sich wieder in einem gutem Zustand befindet.

Hinrich Gravert
SGG Bremerhaven